Skip to content
Lucas Kleipödszus

Claude Code vs. OpenAI Codex: Der große Showdown 2026

Willkommen im Januar 2026. Erinnerst du dich noch an 2024, als wir beeindruckt waren, wenn ein "Copilot" unsere Codezeile vervollständigt hat? Das wirkt heute fast niedlich.

Wir sind im Zeitalter der Agentischen Programmierung angekommen. Wir tippen nicht mehr nur Code, wir managen Intelligenzen. Aber die Landschaft hat sich gespalten. Auf der einen Seite haben wir Anthropics Claude Code, auf der anderen OpenAIs Codex-Ökosystem.

Ich habe mir beide Systeme tiefgehend angeschaut – nicht nur die Feature-Listen, sondern wie sie sich wirklich anfühlen, wenn man nachts um 2 Uhr einen kritischen Bug fixen muss. Hier ist meine technische Analyse, direkt und ohne Marketing-Blabla.

Die zwei Philosophien: Sprinter vs. Marathonläufer

Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist die klassische Geschichte vom Hasen und der Schildkröte.

1. Claude Code: Der hyper-intelligente Kollege (Der Hase)

Claude Code (angetrieben von Claude 3.7 Sonnet) ist für den "Flow". Anthropic nennt das "Hybrid Reasoning". Das Modell denkt nach, bevor es antwortet – und zwar schnell.

Das Killer-Feature hier ist das sogenannte "Vibe Coding". Du beschreibst die Architektur, die grobe Richtung, den "Vibe" – und Claude setzt es um. Es fühlt sich an wie Pair-Programming mit einem Senior Developer, der zufällig 10x schneller tippt als du.

  • Das Technische Highlight: CLAUDE.md. Eine einfache Datei in deinem Projekt-Root, in der du dem Agenten einmal erklärst, wie dein Projekt tickt ("Nutze immer TypeScript Interfaces", "Keine any Types"). Claude vergisst das nie. Das ist quasi das Onboarding für deine KI.
  • Wann ich es nutze: Wenn ich etwas Neues baue ("Zero to One"). Wenn ich iterativ arbeite und sofortiges Feedback brauche. Der CLI-Workflow ist unschlagbar schnell.

2. OpenAI Codex: Das Arbeitstier im Keller (Die Schildkröte)

OpenAI geht mit GPT-5.1-Codex-Max einen ganz anderen Weg. Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Kontext-Kompaktierung (Context Compaction).

Stell dir vor, du hast einen riesigen Legacy-Monolithen, den du von Python 3.9 auf 3.12 migrieren musst. Das ist kein Job für einen schnellen Sprinter. Das ist ein Job für Codex. Der Agent liest jede Datei. Er braucht vielleicht 30 Minuten für die Analyse, bevor er die erste Zeile Code schreibt. Aber er erinnert sich an Entscheidungen, die er vor 10.000 Tokens getroffen hat, weil er den Kontext intelligent komprimiert.

  • Das Technische Highlight: Die Sandbox. Codex läuft oft in einer isolierten Cloud-Umgebung. Perfekt für Security-Audits oder wenn du Code ausführen musst, dem du (noch) nicht traust.
  • Wann ich es nutze: Für die Drecksarbeit. Migrationen, riesige Refactorings, Fehlersuche in tief verschachtelten Systemen, wo Claude oft zu oberflächlich bleibt.

Der Kosten-Faktor: Denken ist teuer

Hier müssen wir ehrlich sein. Intelligentes "Reasoning" kostet Geld.

  • Claude Code kann teuer werden. Wenn du das Modell in den "Extended Thinking"-Modus zwingst (was für komplexe Architektur nötig ist), verbrennst du Tokens wie Zunder. Für Enterprise-Teams mit 100 Entwicklern ist das eine echte Budget-Position.
  • OpenAI Codex ist der Preis-Leistungs-Sieger. Es ist im ChatGPT Plus Abo (20 $) enthalten und die API-Preise sind aggressiv niedrig (Input-Token kosten weniger als die Hälfte von Claude). Wenn du aufs Budget achten musst, landest du oft hier.

Mein Urteil: Du brauchst beides (oder einen Router)

Die Frage ist nicht "Welches Tool ist besser?", sondern "Welchen Modus brauche ich gerade?".

  1. Willst du mit deinem Code sprechen? Nimm Claude. Es ist interaktiv, versteht Nuancen und ist perfekt für den kreativen Erschaffungsprozess.
  2. Willst du deinem Code Arbeit zuweisen? Nimm Codex. Schieb die Aufgabe ab, geh Mittagessen, und komm zu einem erledigten Pull Request zurück.

Die Zukunft – und das sehen wir jetzt schon bei Tools wie Windsurf oder Cursor – liegt in Router-Architekturen. Ein kleines Modell entscheidet: "Ist das einfach? -> Nimm das billige Modell. Ist das komplex? -> Hol Claude dazu. Ist das riesig? -> Weck Codex auf."

Fazit: Hör auf, religiös einem Lager anzugehören. Als technischer Experte nutzt du das richtige Werkzeug für den Job. Im Jahr 2026 bedeutet das: Claude für den Kopf, Codex für die Muskeln.

Lust auf mehr Deep Dives in die KI-Technik? Abonniere den Feed.